Glaukom bleibt jahrelang unbemerkt. Das Gehirn füllt den Verlust auf — solange es das kann. Frühe Erkennung hängt von einer einzigen Untersuchung ab, die heute mit einem teuren, langsamen und seltenen Gerät erfolgt. Im Institut für Fortgeschrittene Studien arbeiten wir daran, das zu ändern.
Glaukom bleibt für Patienten jahrelang unbemerkt. Das Gehirn füllt den Verlust auf — solange es das kann. Frühe Erkennung hängt von einer einzigen Untersuchung ab, die heute mit einem teuren, langsamen und seltenen Gerät erfolgt. Im Institut für Fortgeschrittene Studien arbeiten wir daran, das zu ändern.
Institut für Fortgeschrittene Studien · veröffentlicht April 2026
Stiller Sehverlust
Glaukom ist weltweit die zweithäufigste Ursache für irreversible Erblindung. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis 2040 mehr als 110 Millionen Menschen betroffen sein werden. Das Tückische: Patienten merken jahrelang nichts. Der Augeninnendruck steigt langsam, der Sehnerv schwindet, das periphere Sehen weicht Schritt für Schritt zurück. Bis ein Patient bemerkt, dass die Welt wie durch einen Tunnel aussieht — und der Tunnel wird enger.
Das Gehirn ist erstaunlich darin, fehlende Daten zu ergänzen. Wenn im Gesichtsfeld ein Defekt entsteht, schließt das Gehirn ihn — füllt ihn mit dem, was das andere Auge sieht, oder rekonstruiert ihn aus früherer Erfahrung. Deshalb erkennen Patienten den Verlust oft erst, wenn dreißig oder mehr Prozent des Gesichtsfelds unwiederbringlich verloren sind. Glaukom ist nicht heilbar — wir können nur das Fortschreiten verlangsamen. Deshalb ist frühe Erkennung alles.
Perimetrie — Vermessung des Gesichtsfelds
Wie stellt der Arzt fest, ob ein Patient wirklich an allen Stellen seines Gesichtsfelds sieht? Punkt für Punkt testen. Diese Prüfung heißt Perimetrie. In der Praxis: Der Patient blickt in ein halbkuppelförmiges Gerät, fixiert einen zentralen Punkt und drückt einen Knopf, sobald er einen Lichtblitz in der Peripherie wahrnimmt. Der Test dauert sechs bis fünfzehn Minuten pro Auge.
Der klassische klinische Perimeter ist seit fast vierzig Jahren in Gebrauch. Er ist präzise und standardisiert — hat aber drei wesentliche Schwächen. Erstens, er ist teuer: ein Gerät kostet 30–40 Tausend Euro. Viele optometrische und primäre ophthalmologische Praxen können sich das nicht leisten und schicken Patienten in Krankenhäuser — Wochen oder Monate später. Zweitens, fixe Position in einem abgedunkelten Raum, immobil — nicht mitnehmbar in Senioreneinrichtungen oder zu Hause. Drittens, ermüdend: in langen Tests erfinden Patienten gegen Ende Antworten.
Ergebnis? Perimetrie — trotz ihrer Schlüsselrolle — ist das schwächste Glied der Glaukomversorgung. Audits in Europa und den USA zeigen: Weniger als 40 % der Patienten halten die empfohlene Testfrequenz ein. Viele kommen nach der ersten Überweisung nie zurück.
Auftritt Virtual Reality
Im Institut für Fortgeschrittene Studien arbeiten wir daran, das zu ändern. Unsere Antwort ist technologisch elegant: Perimetrie auf gängigen VR-Headsets mit integriertem Eye-Tracking. Das Prinzip bleibt gleich — der Patient nimmt Lichtreize wahr und reagiert. Die Art ändert sich grundlegend.
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